Let’s talk about: fremde Kinder „erziehen“

An sich ist „Au-pair sein“ ja eine gute Sache, aber was tun, wenn die Kinder einfach nicht gehorchen?

Mit dieser Frage musste ich mich vor allem die ersten Tage und Wochen auseinandersetzen. Es ist nicht so, dass ich nicht weiß wie ich mit Kindern umzugehen habe, sonst hätte ich wahrscheinlich auch kein Au-Pair Aufenthalt gewählt, aber fremde Kinder zu erziehen ist nicht die leichteste Aufgabe.

Das Hauptproblem war, dass meine Host-Familie grade von einer vierwöchigen Europareise wiedergekommen ist. Ein ganzer Monat Urlaub ist schon für einen Erwachsenen eine lange Zeit. Aber für ein Kind? Das müssen gefühlte Jahre sein. Jahre voller Süßigkeiten, voller Aktivitäten wie Legoland, Aquarium und Tierparks, Mama und Papa rund um die Uhr da, Filme über Filme im Flugzeug, spät ins Bett, lange ausschlafen und jede Menge Restaurants. Inklusive Jetlag dann wieder in den Alltag zurückzufinden ist nicht leicht: ein neues AuPair, eine tägliche Routine, Kindergarten, Mama und Papa nicht da, früh aufstehen, früh schlafen gehen, wenige Süßigkeiten, kaum TV. Fast als würde man aus einem wunderschönen Traum aufwachen und das komplette Gegenteil des Traumes in der Realität leben. Aber Alternativen gibt es nicht wirklich..

Wie soll dann ein fremdes und neues AuPair auch nur ansatzweise respektiert werden?

Die ersten Wochen waren wirklich hart für mich. Auch wenn sie einem so viel Liebe und Zuneigung schenken und zwischendrin immer ihre süßen Momente haben, in denen man ihnen alles verzeiht, bin ich wirklich an meine Grenzen gekommen. Sich als Aupair durchzusetzen ist wirklich nicht leicht. Für ihre Eltern haben sie unendliche Liebe, wenn diese schimpfen, Spielzeug wegnehmen, oder aufs Zimmer schicken, ist im nächsten Moment alles wieder vergeben. Aber wenn eine fremde Person das macht? Die ist dann ja mal gleich ganz von der Beliebtheitsskala abgerutscht. Seine eigenen Werte durchzusetzen, die Regeln der Eltern zu befolgen und sich gleichzeitig nicht unbeliebt zu machen und respektiert zu werden ist wahrhaftig ein Balanceakt.

Ich möchte jetzt keine Erziehungstipps geben, aber hier sind meine 3 persönlichen Herangehensweisen, wie ich es geschafft haben, diesen Balanceakt die ersten Wochen durchzustehen und langsam aber sicher den Respekt der Kinder und ihr gutes Benehmen verdiene..

  1. Ignorieren – Im Grunde waren alle Dinge, die die Jungs (bzw. eher der Ältere) getan haben, bei denen sie ganz genau wissen, dass sie das nicht dürfen, nur ein Schrei nach Aufmerksamkeit. Dazu gehören dann zum Beispiel: Spielzeug durch die Gegend werden, den Bruder schlagen, gegen die Türen treten (die sind längst nicht so stabil wie zuhause und das sieht man ihnen auch an), aus Wut Unordnung schaffen und den kompletten Kleiderschrank leerfegen, das Essen auf den Boden schmeißen, die Autoschlüssel klauen und sich ins Auto auf den Fahrersitz setzen,… Ich könnte die Liste jetzt noch endlos weiterführen, aber sonst bucht Oma mir einen Rückflug 😛 Worauf ich hinaus will: So schwer es auch ist, aber manchmal war es wirklich das Beste dieses Verhalten zu ignorieren (solange niemand ersthaft verletzt wurde natürlich). Denn wenn sie nicht die gewünschte Aufmerksamkeit bekommen haben oder merken, dass sie mich damit nicht provozieren, verlieren sie die Lust daran. Das war manchmal wirklich eine Geduldsprobe, das Chaos, das Verhalten, das Heulen, einfach alles zu ignorieren und abzuwarten.
  2. Aus einer Mücke einen Elefanten machen – natürlich nur bei positiven Sachen. Aber sobald sie zum Beispiel ihr Essen essen ohne Drama, alleine ihre Zähne putzen, ihr Spielzeug teilen, Bitte und Danke sagen und generell gutes Benehmen zeigen, dann habe ich gelobt, gelobt und gelobt. Ich habe wirklich eine riesige Sache aus den kleinen Dingen gemacht. Ihnen gesagt, was genau ich gut finde, warum ich das gut finde, den Jungs dafür Komplimente gemacht, sie geknuddelt und belohnt, um sie hauptsächlich zu animieren dieses gute Benehmen fortzusetzen oder zu wiederholen.
  3. Ein Druckmittel parat machen –  Vielleicht habe ich mir auch zu viel Druck gemacht und zu hohe Erwartungen an die Kinder gestellt, jedoch haben sogar die Eltern gesagt, dass die sich vor dem Urlaub definitiv nicht so sehr daneben benommen haben. Herausgekommen sind eine Tabelle, Sticker, Murmeln und zwei Gläser. Auf der Tabelle haben wir wesentliche Regeln festgehalten: Nicht schlagen, treten, beißen, kneifen, hauen, boxen, kratzen,.. Keine Schimpfwörter, ins Bett gehen ohne Drama und allgemein gutes Benehmen gegenüber dem Bruder, den Eltern und mir. Diese „Ziele“ mussten im Laufe des Tages erreicht werden und die Jungs bekommen dafür Sticker. Für generell gutes Benehmen oder Erfolge, wie zum Beispiel alleine anziehen, die Mahlzeiten aufessen, Spielzeuge wegräumen, etc. sammeln die beiden nun Murmeln in ihrem Glas. Sobald sie ihr Glas gefüllt haben, dürfen sie sich eine Aktivität aussuchen. Es ist wirklich hilfreich dieses Druckmittel in der Hand zu haben und sie mit dem Verdienst einer Murmel zu locken, oder eben auch dem „Nicht-Verdienst“ zu drohen. Zwischendrin immer mal wieder an die Murmel zu erinnern, kann auch nicht schaden.

Seitdem wir gemeinsam diese Dinge umsetzen, ist es wesentlich stressfreier und angenehmer. Die Jungs benehmen sich viel besser und wir hoffen, dass es bald auch ohne Sticker und Murmeln funktioniert. Natürlich ist es immer noch nervlich anstrengend für mich, man darf halt nicht vergessen, dass die Jungs erst zwei (fast drei) und vier einhalb Jahre alt sind und Kinder sind Kinder. Dennoch bin ich sehr zuversichtlich, dass ich einen ganz guten Job und mache und machen werde und mit bestem Wissen und Gewissen zwei fremde Kinder erziehe 🙂

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