Personal Travelguide: Tongariro Crossing, Huka Falls, Taupo

Mitte Dezember ging es für uns in die Mitte der neuseeländischen Nordinsel, genauer gesagt nach Taupo und zum Tongariro.

Wir haben uns über studenttravels eine organisierte Tour gebucht, da Hanjo und ich ja noch kein Auto zur Verfügung haben. In der Tour war die Busfahrt nach Taupo, die Möglichkeit Bungeejumping oder Extreme Swing zu machen (mit Aufpreis), ein Besuch bei den Hot Water Pools in Taupo, die Unterkunft, der Shuttle zum Tongariro und eine geführte Tour über den Tongariro sowie zwei Mahlzeiten enthalten. Und das alles zu einem echt gutem Preis. Ich muss sagen, ich war mehr als positiv überrascht über die hervorragend gute Organisation, das schöne Hotel und das gute Essen und einfach alles, was mit dieser Tour zusammen hing. Natürlich fühlte sich das ganze ein bisschen wie eine Klassenfahrt an und Hanjo und ich haben zu mindestens jeder Person eine Person aus unserem Jahrgang gefunden, die sich ähnlich sind. Dennoch bin ich froh, dass über diese Tour gemacht zu haben, denn vor allem wenn man kein erfahrener Wanderer ist (bzw. das noch nie wirklich gemacht hat) ist es hilfreich jemanden dabei zu haben, der dir alles organisiert und mitdenkt und für Leute ohne Auto die perfekte Möglichkeit das Land zu erkunden und neue Leute kennenzulernen (überwiegend aus Holland und Deutschland – nicht anders zu erwarten 😉 )

Aber nun genauer zu unserem Trip, für uns ging es Samstag früh relativ früh los, wir sind um kurz nach 6 aufgestanden, haben uns fertig gemacht und sind dann mit der Bahn um kurz nach 7 nach Auckland CBD gefahren. Dort wurden wir von unserem Reisebus erwartet. Der Reisebus stammte von „kiwiexperience“ und war sehr geräumig, sauber und komfortabel, besser als so manch deutscher Reisebus :). Unser Tourguide Vikram und unser Busfahrer Campbell waren beide supernett. Vikram hat den Tongariro bereits sieben Mal bestiegen (woher die Motivation kommt ist mir ein Rätsel 😀 ) und hatte somit ’ne ganze Menge Erfahrung. Zudem war er super organisiert, konnte ALLE (!!!) Fragen beantworten, wusste zu allen Teilen Neuseelands was zu erzählen und war stets aufmerksam und hilfsbereit und das obwohl er selber erst Mitte 20 gewesen sein konnte. Unterwegs haben wir noch einen Supermarktstop eingelegt, damit sich alle mit mit Essen und Snacks eindecken konnte. Hanjo und ich hatten zwar eine ganze Menge Essen dabei, aber die Einladung konnten wir ja nun nicht ausschlagen, also hatten wir am Ende noch mehr Essen 😉 Besser zu viel als zu wenig sag ich da nur – ich gehöre aber auch zu den Personen, die sobald sie sich ins Auto/Bahn/Bus/Flugzeug, mit der Absicht zu reisen, setzen, sofort „Reisehunger“ bekommen und die ganze Zeit snacken könnten .. von wem ich das wohl habe .. ne Papa ?! 😉 ❤

Unser zweiter Stop war dann Taupo: genauer gesagt Bungee Jumping und Extreme Swing. Es hatten alle die Möglichkeit für weitere 150-170$ einen Adrenalinkick zu buchen. Hanjo und ich haben wirklich überlegt gemeinsam die Extreme Swing zu machen, haben uns dann aber aufgrund des Preises dagegen entschieden. Letztendlich hat man dann für diese Tour doch ne ganze Menge Geld bezahlt und wir wollen schließlich noch mal auf eigene Faust nach Taupo – einfach weil es dort sooo schön ist ❤ Also die Extreme Swing ist noch nicht ganz aus unseren Köpfen, aber ich kann an dieser Stelle alle beruhigen, ich werden mich nicht kopfüber irgendwo herunterstürzen und einen Bungee Jump machen 😉

Wir haben noch bei ein paar Leuten zugeschaut und haben uns dann zu Fuß zu den Hot Pools aufgemacht. Und mit Hot meine ich wirklich Hot. Die sind nicht nur so Badewannentemperatur, sondern haben „Kochendheißes-Wasser-Verbrennungspotenzial“. Taupo liegt im Thermalgebiet Neuseelands und ist somit ein wirkliches Naturspektakel. Wir saßen im Waikato River und wären die Füße im eiskalten Wasser lagen, war es am Rücken ganz schön heiß und von heiß zu kalt war eine wirkliche Zentimeterangelegenheit , kein fließender Übergang, wie ich es mir vorgestellt hatte.

Nach den Hot Pools und nachdem alle anderen mit ihren Bungeesprüngen fertig waren, hat uns der Bus wieder eingesammelt und es ging weiter zu den Huka Falls – sehr bekannten Wasserfällen Neuseelands und sehr schön anzusehen. Das gute hierbei, man muss nirgendwo hinwandern sondern kann direkt davor parken – hat auch mal was 🙂

Die Huka Falls waren unser letzter Zwischenstopp, danach ging es für uns mit dem Bus ins Hotel. Wir haben die Nacht im „The Park Hotel Ruapehu“ verbracht, was ich wirklich empfehlen kann. Die Zimmer waren sehr niedlich eingerichtet, sehr sauber und das Essen war auch sehr gut. Gemeinsam mit einem angehenden Sportlehrer (dreimal dürft ihr raten, worüber er und Hanjo die ganze Zeit geredet haben 😉 ) und DEM Mathe-Physik-IT-Nerd aus Bayern (der seinen Mund einmal aufgemacht hat und nicht mehr aufgehört hat zu reden, nett war er trotzdem) haben wir die Nacht über in dem Zimmer verbracht. Die Jungs waren abends noch ein Bier trinken, während ich nur noch geduscht habe und dann ins Bett gefallen bin. Ich mein als Sportskanone hätte ich so viel Schlaf ja gar nicht gebraucht, um am nächsten Tag ein ordentliches Workout hinzulegen, aber man macht ja nicht alle Tage eine 7-9 stündige Wanderung… haha wenn jetzt irgendwer denkt „Ist die dumm?! Sie war weder jemals wandern noch macht sie regelmäßig Sport und jetzt will sie den Tongariro besteigen?!“ dann habt ihr richtig gedacht!! Dabei wollte ich doch nur diesen blöden blauen See sehen …

Aber zurück zu dem Moment, als noch alles in bester Ordnung war und ich ganz naiv dachte, ich besteige jetzt mal eben einen Berg..

Samstag morgen wurden wir (tatsächlich) von unserem Guide um 6.30 Uhr geweckt, um sieben Uhr haben sich dann alle am Shuttle Bus eingefunden, in dem uns dann erstmal Frühstück ausgeteilt wurde (Croissant, Banane, Kakao/Energie/Protein/Was-auch-immer-Drink) und auf ging es zum Parkplatz am Tongariro, der quasi der Startpunkt für das Crossing war. Es wurde noch schnell ein Gruppenfoto gemacht und dann ging es los. Die ersten Kilometer ging es nur geradeaus, durch eine sehr schöne und einzigartige alpine Natur. Unten am Berg war es noch relativ warm und wir haben uns gefühlt hundertmal mit Sonnencreme eingecremt, um uns vor den gefährlichen UV-Strahlen Neuseelands zu schützen (hier wird man tatsächlich bei Regenwetter braun, da wir so nah um Ozonloch dran sind – nicht dass ich nicht immer noch blass aussehe, als wäre ich im Krankenhaus gewesen, aber andere Leute werden hier braun). Starthöhe sind 1100m und bis zu den Soda Springs (ca. 1-1 1/2 Stunden) steigt der Weg nur leicht an, also alles leicht zu schaffen. Und dann beginnt der allerschlimmste Teil, man steigt den Berg empor auf 1886m: mit TREPPENSTUFEN !! Und man denkt sich nur so, wer hat diesen sch*** Berg gebaut ?! Jetzt darf sich jeder vorstellen wie es ist eine 800 Meter hohe Treppe hochzulaufen und zwar nicht auf kleinen „Stüfchen“ – NEIN AUF RICHTIGEN FAST KNIEHOHEN STUFEN !! Das Ganze nennt sich dann netterweise auch noch „Devil’s Staircase“ (Treppenhaus des Teufels). Der schlimmste Teil der Stufen erstreckt sich „nur“ über 200m Aufstieg, dennoch muss ich sagen, dass ist der Punkt an dem ich nicht mehr wollte. An dem ich auch kein Spaß mehr hatte. Mein Puls ist gerast, mein Herzschlag habe ich regelrecht gehört und meine Beine haben gezittert und sich wie Wackelpudding angefühlt. Wir haben nach jedem Treppenabsatz eine Pause gemacht, damit sich mein Puls wieder beruhigen kann. Zwischendurch gab es dann immer mal kleine Stücke, auf denen man einfach gradeaus gehen konnte, was wirklich eine Wohltat für die Beine war. Auf 1600 Meter haben wir es dann zum immer noch aktiven Red Crater geschafft, auch hier wurde erstmal ein Gruppenbild gemacht. Eigentlich war es nur ein Teil der Gruppe, da jeder in seinem eigenen Tempo wandern konnte.

Nach 4 Stunden Wanderung, knapp 800 Meter Höhenunterschied, hunderten von Treppenstufen und rasendem Puls haben wir es dann endlich geschafft: Lake Emerald. Der Grund, warum ich diese Wanderung machen wollte. Und das war einfach so unfassbar schön und so unwirklich. Inmitten von vulkanischer Natur, inmitten von Nichts : türkisblaue Seen, mit einer orangefarbenen „Kante“ und Schwefelrauch der über den Berg gekrochen kommt. Wie auf einem anderen Planeten…

Der Weg nach unten war ganz schön holprig, fast jeder hat sich da ein paar Mal auf seinen Hintern gesetzt, denn es war ganz schön steil und der Untergrund nicht wirklich fest. Man ist quasi heruntergeschlittert. Nach ein paar Fotos und einer größeren Lunchpause ging es dann zum Parkplatz. An sich fühlte es sich an wie der Rückweg, nur das der Rückweg noch einmal genauso lang war wie der „Hinweg“ zum Lake. Und nach jedem Bergab gab es zu meiner Enttäuschung auch wieder ein Bergauf. Als würden die Beine nicht schon genug schmerzen. Vorbei am „Blue Lake“ und einer verlassenen Hütte ging es dann irgendwann in Schlangenlinien bergab. Das ging ganz schön auf die Knie, mal abgesehen davon, dass man die eh schon nicht mehr gespürt hat und die Beine total weich waren. Das letzte Stück durch einen Regenwald und nach der never-ending-story haben wir es nach 7 1/2 Stunden (eine Zeit auf die ich sehr sehr sehr stolz bin!!) zum Parkplatz geschafft.

Auch wenn der Tongariro Crossing der bekannteste und frequentierteste Wanderweg in Neuseeland ist, sollte man ihn nicht unterschätzen. 2006 sind dort sogar zwei Menschen gestorben. Viele Menschen wissen nicht, dass sie sich dort in alpinen Gelände bewegen, geschweige denn was „Alpin“ überhaupt bedeutet. Denn auch bei Sonnenschein sollte man Schlechtwetterkleidung mitnehmen. Im Tal kann das Wetter komplett anders sein, wie oben an den Cratern. Technisch ist der Wanderweg leicht zu schaffen, konditionell sieht es da schon anders aus. Ich als „Sportmuffel“ bin ziemlich an meine Grenzen gekommen, obwohl ich kein Problem habe lange Strecken am Stück zu gehen und auch lange unterwegs sein kann ohne zu sitzen. Für sportliche Menschen ist es wirklich  gut zu schaffen, obwohl auch Hanjo danach gesagt hat, wenn er gewusst hätte, wie anstrengend das ist, hätte er es sich vorher nochmal genauer überlegt. Für Wanderer sicherlich ein „Kinderspiel“.

Fast ein bisschen unwirklich, dass wir das geschafft haben und vor allem in einer so guten Zeit. Man kann uns ja fast als professionelle Wanderer bezeichnen 😉

Am Parkplatz wurden wir vom Shuttle abgeholt, zum Hotel zurückgebracht, wo alle noch einmal auf die Toilette gegangen sind und ihre Wasserflaschen aufgefüllt sind und dann ging es auch schon zurück nach Auckland. Wir sind sehr viel später angekommen als geplant und somit hatten Hanjo und ich eine kurze Nacht. Nur mit dem Unterschied, dass ich am nächsten Tag früh hoch musste und einen 10-stündigen Tag vor mir hatte und der faule Sack frei hatte und ausschlafen konnte. Da fragt man sich wer hier hart im Nehmen und sportlich ist 😉 ❤

Fazit: Ich kann es jedem nur empfehlen mit studenttravels das Tongariro Crossing zu machen, vor allem wenn man eher Anfänger im Wandern ist. Es war super organisiert, hat Spaß gebracht und hatte ein gutes Preis-Leistung-Verhältnis! Generell sollte man das Tongariro Crossing einmal gemacht haben, wenn man schon in Neuseeland ist. Einmal und nie wieder, aber wenn man die Zähne zusammen beißt ist es auf jeden Fall zu schaffen. Der Weg wird nicht umsonst von fast 700 Wanderern täglich gemeistert und gehört zu den 10 Great Walks of New Zealand.

Meine persönlichen Tipps:

  1. Keine falschen Erwartungen – Da dieser Wanderweg so beliebt ist, wird er gerne mal unterschätzt, auch von uns! Er ist zwar technisch nicht schwierig und setzt keine professionelle Wanderausrüstung voraus, dennoch sollte man sich Gedanken darüber machen, ob man konditionell und gesundheitlich dazu in der Lage ist und sich bewusst darüber sein, dass man knapp 20km Berge rauf und runter wandert und das nicht ohne ist!
  2. Ausreichend informieren – Das wurde uns zum Glück ja fast abgenommen durch unseren Guide. Dennoch sollte man sich intensiv damit beschaffen und das ganze nicht wie einen kleinen spontanen Strandspaziergang behandeln. Selbst bei sommerlichen Temperaturen kann auf dem Berg Schnee liegen und unterwegs gibt es kein Trinkwasser. Das nötige Wissen über Ausstattung und Wetterlage sollte also vorhanden sein. Womit wir auch zum nächsten Punkt kommen.
  3. Die richtige Ausrüstung – Je nach Wetterlage sollte man sich entsprechend kleiden und auch im Sommer mehrere wärmende Kleidungsschichten dabei haben, da die Temperaturen stark fallen können und das Wetter in Neuseeland generell ziemlich unentschlossen ist und stark und unvorhergesehen schwankt. 1,5- 2 Liter Wasser sollte man auf jeden Fall dabei haben. Hanjo hatte sogar 4 Liter mit, da er schon im Alltag relativ viel trinkt. Essen sollte energiereich sein, aber nicht zu schwer im Magen liegen. Perfekt sind leichte Salate (z.B. mit Quinoa) oder Sandwiches. Müsliriegel, ’ne Banane und ein paar Cracker und man ist gut ausgestattet. Auch wenn man so lange unterwegs ist, der Hunger setzt er so richtig nach der Wanderung ein. Während der Wanderung ist man viel zu erledigt und noch „mittendrin“ um so richtig zu essen. Da kann man sich das zusätzliche Gewicht lieber ersparen. Ganz wichtig sind auch eine Kopfbedeckung und Sonnencreme (in Neuseeland ist die Sonne am gefährlichsten (!!), ganz besonders auf einem Berg).
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