Autokauf in Neuseeland

Ich habe ja schon im letzten Post verraten, dass wir uns ein Auto gekauft haben und jetzt rücke ich auch mal mit ein paar mehr Infos raus und wie man ein Auto in Neuseeland findet und was man beachten muss.

Wo finde ich ein Auto?

Ein Auto in Neuseeland zu finden ist nicht grade die allerschwierigste Aufgabe, denn das Land ist von Reisenden überlaufen, die alle Autos suchen und verkaufen. Zudem gibt es ja noch die Einheimischen, die auch ihre Autos verkaufen, um sich ein neues zuzulegen. Wie auch immer es gibt zahlreiche Möglichkeiten, ein Auto in Neuseeland zu finden:

  1. facebook – Ja man glaubt es nicht, aber Facebook ist auch noch zu anderen Dingen gut, als sich nur mit Tiervideos und shitstorms unter irgendwelchen News die Zeit totzuschlagen.  Es gibt zahlreiche Gruppen auf Facebook z.B. „Work and Travel Neuseeland“, „AuPair in Neuseeland“, „Backpackers Cars Buy&Sell New Zealand“ auf denen nicht nur Autos sondern auch viele andere nützliche Dinge zum Verkauf angeboten werden und Gleichgesinnte nach Tipps und Travelmates suchen. Ein Blick in die Gruppen lohnt sich auf jeden Fall! Um es aber auf den Punkt zu bringen, viele Backpacker und auch Einheimische bieten hier ihre Autos zum Verkauf an und man kann ganz leicht mit ihnen in Kontakt treten und eine Testfahrt vereinbaren. Das Gute an diesen Autos: Sie sind oftmals schon mit Backpackerausrüstung (Campingstühle, Gaskocher, Geschirr, Schlafsack,..) ausgestattet.
  2. Buy & Sell Automärkte – An vielen Ecken Neuseelands (vor allem in Auckland) gibt es Automärkte, an denen private Verkäufer ihre Autos gegen einen Preis ausstellen und verkaufen können. Wie genau das ganze abläuft kann ich leider nicht sagen, da wir gar nicht zu so einem Automarkt hingegangen sind. Die Wahrscheinlichkeit dort aber sein Auto zu verkaufen ist wohl recht hoch und wird überwiegend von Einheimischen genutzt.
  3. Am Straßenrand – Ganz nach neuseeländischer Manier und Gelassenheit werden sehr sehr viele Autos einfach am Straßenrand abgestellt und zum Verkauf angeboten, also einfach mal Ausschau halten 😉
  4. „trade-me“ – Funktioniert ähnlich wie Ebay. Besonders praktisch, wenn man nach bestimmten Modellen, Preisen, Farben, etc. sucht, da man die Suchkriterien filtern kann. Eine Plattform auf der übrigens nicht nur Autos verkauft werden.
  5. Über persönliche Kontakte – Einfach mal in der Gastfamilie oder im Hostel nachfragen, denn es gibt immer jemanden, der jemanden kennt, der jemanden kennt, der jemanden kennt,.. der sein Auto gerade verkaufen will 😉

Welches Auto soll ich kaufen?

Da muss man sich zunächst fragen, welche Funktion das Auto haben soll: Ist es als reines Stadtauto und Fortbewegungsmittel gedacht? Oder möchte man darin monatelang unterwegs sein, darin leben, schlafen, kochen,.. und sich Unterkunftskosten sparen? Möchte man mit seinem Auto möglichst viele Offroad-Straßen und Gebiete erkundigen und am liebsten jeden Tag am Strand langfahren ? Für wie viele Personen ist es gedacht?

Je nachdem wie man diese Fragen beantwortet, gibt es verschiedene Automodelle. Für uns als Au-Pairs war es zum Beispiel wichtig, dass wir das sowohl im Stadtverkehr nutzen können, als auch für unsere Reisen am Wochenende. Wir müssen also genug Platz zum Schlafen haben, wollen aber nicht ein ganzes Jahr in dem Auto leben und es sollte nicht zu viel Benzin verbrauchen, da es vermutlich tagtäglich im Gebrauch ist.

  1. Das ganz klassische Auto – nicht unbedingt geeignet, wenn man plant, darin zu leben und auf Unterkünfte zu verzichten. Perfekt jedoch, wenn man als AuPair mobil sein und am Wochenende mit Freunden das Land erkunden möchte. Verbraucht in der Regel nicht so viel Benzin – kommt natürlich auf das Auto an- und man sollte sich beim Kauf überlegen, ob man auch in dem Auto schlafen möchte und ob größentechnisch eine Matratze herein passt (hier bieten sich z.B. Modelle von Honda, Mitsubishi und Toyota an). Es gibt auch diverse Autos, die schon etwas umgebaut sind und zum Beispiel ein Holzgestell im Kofferraum haben – perfekt um darin ein paar Nächte zu schlafen. Allerdings nicht auf Dauer, hin und wieder muss man sich dann doch auch mal ein Hostel oder ähnliches leisten 😉
  2. Der Campervan – Das typische Backpackerauto. Man hat keinen „Luxus“ wie in einem Wohnmobil, aber dennoch ist auf einfache und kostengünstige Weise ein Zuhause auf vier Rädern gebaut wurden. Typisch hierfür sind der Toyota Estima, Toyota Serena oder richtige Vans von Nissan und Toyota. Hier gibt es zwei Typen von Autos: „self contained“ und „non self-contained“. Das bedeutet, ob man in dem Auto völlig unabhängig leben kann und in gewissen Gebieten (ist ausgeschildert) legal wildcampen kann. Self-contained Autos müssen jedoch gewisse Kriterien erfüllen und müssen eine dementsprechende Plakette beantragen. Zu diesen Kriterien gehören: eine Frischwasserzufuhr (4 Liter pro Person pro Tag, mindestens 12 Liter), ein Waschbecken, eine Toilette (1 Liter pro Person pro Tag, wenigstens 3 Liter pro Person), einen Abwassertank (mindestens 4 Liter pro Person, wenn der Abwassertank kleiner als der Frischwassertank ist, muss dieser per Monitor überprüfbar sein), ein Abwasserschlauch, einen Abfalleimer mit Deckel. Wie sich daraus ableiten lässt, sind diese Campervans so umgebaut wurden, dass man wirklich alles in diesem Auto hat und völlig unabhängig ist. Allerdings muss man für ein self-contained Auto deutlich mehr bezahlen – zwischen 6000$ und 12000$ (3500€-7000€) und spart dafür aber an anderer Stelle, denn man muss kein Geld für Campingplätze oder anderen legale Stellplätze ausgeben. Generell verbrauchen Campervans recht viel Benzin und haben keine starke Motorleistung. Zudem haben sie vermutlich bereits eine sehr hohe Kilometerzahl drauf (wenn es nicht grade die erste Backpackergeneration ist) und Mängel wurden „billig“ behoben.
  3. 4WD – ein Auto mit Allradantrieb und eignet sich perfekt für Strände und Off-Road Straßen und den nervigen Gravel Roads – von denen es in Neuseeland sehr sehr viele gibt. Genug Platz zum Schlafen ist meistens auch. Allerdings verbrauchen die ordentlich Benzin.

Generell sollte man in Neuseeland asiatische Autos kaufen, denn erst einmal gibt es davon massenhaft und man wird sie schnell wieder los und die Ersatzteile für asiatische Autos gibt es in jeder Werkstatt für ein Appel und ein Ei – falls doch mal etwas gemacht werden muss. Vor allem mit einem Toyota ist man immer auf der sicheren Seite hier.

Auf welche Merkmale und Eckdaten muss ich beim Autokauf achten?

  • Wenn man auf der Autosuche ist, dann bekommt man hier erstmal einen ganz schönen Schock wenn man auf die gefahrenenKilometer guckt, diese liegen nämlich zu 99% über 250.000. Sowas würde man sich in Deutschland ja niemals kaufen, denn man wäre sich sicher, es jede Woche in die Werkstatt zu fahren. Doch hier gilt ein Auto mit 250.000- 350.000 km noch als neuer Gebrauchtwagen. Vor allem Backpackerautos sind wenig im Stadtverkehr und dafür viele lange Strecken in gleichmäßiger Geschwindigkeit gefahren, was dem Motor nicht ganz so zusetzt. Man darf sich also zurücklehnen und „bedenkenlos“ auch ein älteres Auto kaufen. Allerdings nicht zu alt – wenn man noch vorhat das Land zu bereisen und das Auto danach verkaufen will, sollte es nicht mehr als 350.000km beim Kauf haben.
  • Nicht nur die Kilometer sind hoch, sondern auch das Alter. Viele Autos kommen aus dem Jahr 1995-1999. Einige sind sogar noch älter. Und das ist auch in Ordnung. Doch bei Autos, die mehr als 25 Jahre alt sind ist von einem Kauf abzuraten.
  • Außerdem sollte man darauf achten, dass das Auto noch ein gültiges „WoF“ und „Rego“ hat. WoF bedeutet Warrant of Fitness und entspricht dem deutschen TÜV. Dieser muss regelmäßig erneuert werden und sollte beim Kauf noch mindesten ein paar Monate gültig sein, damit man sich sicher kann, nicht gleich sein ganzes Geld in Reparaturen stecken zu müssen, um das WoF verlängern zu können. Um gleich loszufahren sollte das Auto zudem eine gültige Straßenzulassung (Rego- vehicle license) haben. Denn auch die Beantragung kostet Geld – abhängig von der Anzahl der Monate.
  • Auf die Ausstattung sollte man dann  auch noch mal einen Blick werfen und nicht nur die zusätzliche Backpacker/Campingausrüstung.
  • Bei einem Preis unter 1500$ sollte man stutzig werden und den Preis hinterfragen: Sind die Verkäufer in Eile und müssen ihr Auto ganz schnell loswerden, bevor sie nach Hause fliegen ? Oder stimmt etwas mit dem Auto nicht?

Was, wenn ich ein für mich interessanten Auto gefunden habe?

  • sofort einen Termin zur Besichtigung und Testfahrt vereinbaren, denn ein gutes Auto kann innerhalb ein paar Stunden vom Markt sein
  • Wenn der äußere Eindruck stimmt und man ein gutes Gefühl hat, sollte man sich erkundigen, ob der Besitzer schon einem mechanical check gemacht hat bzw. noch machen kann. In der Regel muss man selber für die Kosten aufkommen, aber lieber 120$ für einen mechanical check ausgeben und sich sicher sein, dass mit dem Auto alles stimmt, als dem Verkäufer 3000$ in die Hand zu drücken und das Auto ab sofort täglich in die Werkstatt fahren.
  • Sind alle Autopapiere vorhanden und gibt es keine rechtlichen oder finanziellen Belastungenauf dem Auto? Denn diese werden in Neuseeland auf den neuen Besitzer übertragen.
  • Kann ich mir das Auto leisten? Welche Anschaffungen muss ich zusätzlich zum Autokauf noch tätigen? WoF, Rego, Ausstattung, Reparaturen, Versicherung, Besitzer ummelden,..? Mit welchen Kosten man generell rechnen kann siehe unter nächstem Punkt.

Was muss ich für ein Auto bezahlen und welche weiteren Kosten kommen auf mich zu?

Um den Preis zu bestimmen, kommt es auf viele verschiedenen Faktoren an, wie der Zustand des Autos, den Autotyp, die Verkaufszeit, den Verkaufsort und noch viel mehr. Wenn man sich viele Autos über Wochen hinweg auf Facebook, trademe oder den Automärkten anguckt, bekommt man ungefähr ein Gefühl dafür, wie viel Geld man ungefähr ausgeben muss.

  1. Während der Hauptsaison Oktober bis Dezember/Januar sind Autos generell teurer und schneller vom Markt, denn es landen mehr Backpacker/AuPairs und Reisende im Land als Autos zur Verfügung stehen.
  2. Autos in großen Städten an den „Roadtripenden“ so wie Auckland und Christchurch sind teurer als in kleineren Städten. Allerdings ist die Nachfrage auch größer.
  3. Fallbeispiel 1: Ein normales Auto mit 280xxx km von 1999, Honda/Toyota/Nissan, mit Holzgestell, keine großen Mängel, Basic-Backpacker/Campingausrüstung (sprich Holzgestell/Matratze/ vielleicht ein paar Kisten) -> ca. 2500$ (kann von 2000$ bis 3000$ variieren kommt auf die oben genannten Faktoren an)
  4. Fallbeispiel 2: Campervan non-self-contained, Toyota Estima, 320xxx km, 1997, gute Ausstattung (Bett, Campingstühle, Stauraum, evtl. Spüle, ausklappbare „Küchenzeile“, Geschirr, Kochgeräte,..) -> 4500$-6000$ (variiert aufgrund von oben genannte Faktoren)
  5. Fallbeispiel 3: Campervan self-contained, Nissan Vanette, 2001, 280xxx km, volle Ausstattung gemäß self-contained, 9500$-12000$ (variiert aufgrund von oben genannten Faktoren)

Weitere Kosten:

mechanical check – 80$-120$ (i.d.R. einmalig)

WoF– 50$ nur Untersuchung (Autos im Alter bis 6 Jahren alle 12 Monate, danach alle 6 Monate), je nach Mängel stehen Reparaturen an, die innerhalb von 4 Wochen nach Untersuchung erfolgen müssen

Rego – 10-15$ pro Monat (abhängig von Dauer und Auto)

Diesel-Fahrzeuge „road user Charge“– muss im Vorfeld bezahlt werden 1000km ca. 60-70$

Change of ownership – 9$, kann in jeder Autowerkstatt/Postshop ganz einfach per Formular erledigt werden

Versicherung (freiwillig) – kommt auf Versicherungstyp, Auto, Fahrer, Anbieter, … an; kann nicht pauschal gesagt werden

Camping Ausrüstung– 200-300$ (kann alles günstig bei K-Mart, Warehouse oder secondhand über Facebook/trademe erstanden werden)

Was muss nach dem Autokauf getan werden?

  • Der Besitzer muss umgemeldet werden (geht ganz einfach im Postshop mithilfe eines Formulars)
  • Ausrüstung anschaffen (entweder Second-hand oder neu kaufen bei K-Mart/warehouse)
  • Versicherung abschließen: Die ist in Neuseeland freiwillig, aber auf jeden Fall zu empfehlen, denn die neuseeländischen Straßen sind nicht ohne und die Kosten für Schäden anderer Autos hoch
  • Regelmäßig zum Service bringen und das Auto gut in Schuss halten, denn je besser der Zustand des Autos und des Zubehörs, desto besser stehen die Chancen für einen guten Verkauf (man möchte den Großteil des Geldes ja schließlich wiederbekommen 😉 )

Allgemeine Tipps:

  • Asiatische Modelle kaufen
  • Den Kauf nicht überstürzen !!
  • Leute mit Ahnung zu Rate ziehen
  • mechanical check durchführen und Versicherung abschließen!
  • das Design des Autos ignorieren, denn die Autos sind hier überwiegend halt einfach hässlich; sonst hat man nicht viel Auswahl 😉

Und nun zum spannendsten Teil: Unser neuer Familienzugang 😉

Modell: Mitsubishi Diamante

Jahrgang: 2003

Mileage: 290xxx km

Preis: 2700$

Wir haben unser Auto über Facebook gefunden und auch wenn es ziemlich hässlich und verformt ist, ist es das absolut richtige Auto für uns. Denn es wurden nicht nur gerade sehr viele Dinge erneuert, sondern WoF und Rego sind lange über unsere Abreise hin gültig. Es ist sehr benzinsparend und hat einen starken Motor, was bei der hügeligen Landschaft Neuseelands nicht schaden kann 😉 Das Beste: wenn man die Sitze zurückklappt, haben wir fast ganze 2m Platz zum Schlafen, was mehr ist, als alle anderen Autos und Hanjo natürlich sehr zu Gute kommt. Das Auto war in guten Händen und sah innen wie außen gepflegt aus, was in Neuseeland auch nicht selbstverständlich ist. Für uns wichtig waren auch ein USB und AUX-Anschluss, denn das Navigationsgerät auf dem Handy verbraucht ordentlich Batterie und muss hin und wieder unterwegs aufgeladen werden und was wäre ein Roadtrip ohne gute Musik ?! Im Preis enthalten war auch eine Matratze, die die Vorbesitzer exakt auf die Maße des Autos angepasst und zugeschnitten haben. Wir haben nach unserem Autokauf gleich eine riesige Shoppingtour bei K-mart hingelegt und und Kissen, Bettbezüge, Schlafsäcke, Campingstühle, Teller, Schüsseln, Besteck, Plastikdosen in verschiedenen Größen, Geschirrhandtücher, Spülbürste Wäscheleine, Kühltruhe, eine Lichterkette und und und eingekauft und und und eingekauft. Denn bei K-mart kostet alles nur ein paar Doller, so haben die Campingstühle z.B. nur 5$ und die Schüsseln jeweils nur 1$ gekostet. K-Mart ist wie ein Euroshop nur mit nicht ganz so schlechter Qualität und die haben wirklich alles 😉 So macht shoppen Spaß!!

Unser Auto haben wir übrigens auf Felix getauft – nach Hanjo Bruder. Denn es ist hässlich und unförmig, aber erfüllt seinen Zweck und wir haben es trotzdem lieb. War Hanjos Idee …

Quelle: Titelbild

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