Let’s talk about: Die Premierministerin ist schwanger und Neuseeland steht Kopf

Ich bin mir nicht sicher, inwiefern die Neuigkeiten auch in anderen Ländern für Aufruhr und Diskussionen gesorgt haben. In Neuseeland ist es aber das einzige Thema zurzeit: Die neuseeländische Regierungschefin Jacinda Ardern, 37, ist schwanger und erwartet gemeinsam mit ihrem Ehemann Clark Gayford ihr erstes Kind im Juni dieses Jahres. Sie ist die Vorsitzende der sozialdemokratischen Labourpartei und erst seit Oktober im Amt. Vor kurzem verkündete sie nun ihre Schwangerschaft und Neuseeland steht Kopf. Heiß wird diskutiert, ob es ein wichtiges Zeichen für unsere heutige Zeit und die Emanzipation der Frauen setzt oder verantwortungslos ist einer schwangeren Frau und werdenden Mutter, die Verantwortung zu überlassen den wichtigsten Job des Landes auszuüben… Obwohl ich mich weder als (starke) Feministin bezeichnen würde, habe dazu aber auch meine Meinung und finde es ziemlich unverschämt, was einige Neuseeländer hier von sich geben…

Irgendwo kann ich die Neuseeländer, die davon nicht so begeistert sind, verstehen aber halt nur bedingt. Klar, dieser Job erfordert jede Menge Hingabe, Zeit und volle Aufmerksamkeit. In der Schwangerschaft sind jede Menge Hormone im Spiel und vor allem bei einer ersten Schwangerschaft weiß frau noch nicht, was auf sie zukommt. Und ja, das Kind sollte keineswegs zu kurz kommen und eine schöne und friedliche Kindheit haben, in dem die Mutter einen wichtigen Teil im Leben einnimmt. Alles verständlich, schön und gut. Aber warum ich finde, dass es noch viel eher ein wichtiges Zeichen setzt, als das es dem Kind und dem Land schadet? Here we go:

Dass eine Regierungschefin während ihrer Amtszeit schwanger geworden und ein Kind bekommen hat ist bis jetzt erst einmal passiert und das ist bereits 28 Jahre her. In Pakistan hat die 1989 amtierende Premierministerin Benazir Bhutto ihr zweites Kind während ihrer Zeit als Regierungschefin bekommen und alleine die Tatsache, dass das schon 28 Jahre zurück liegt sagt ziemlich viel über die Gleichberechtigung und das Frauenbild heutzutage aus.

Wer hat das ungeschriebene Gesetz erfunden, dass Mütter zuhause bleiben MÜSSEN, sich um Kind und Haushalt kümmern, während der Vater das Geld verdient? Wieso nehmen sich Leute das Recht heraus, schlecht über Familien zu urteilen, die kein traditionelles Familienmodell haben? Wer behauptet, dass Frauen besser darin sind Kinder aufzuziehen? Jacinda setzt auf jeden Fall ein wichtiges Zeichen: Ja, es gibt andere Familienmodelle. Sie geht sechs Wochen in Mutterschutz und fängt dann wieder Vollzeit an zu arbeiten und ihr Mann bleibt mit dem gemeinsam Kind erst einmal zu Hause und wird versuchen, sie überall hin zu begleiten. Wenn das nicht mal modern und situationsgerecht ist.

Des Weiteren beschwert sich doch auch niemand, wenn ein Mann in einer Führungsposition Vater wird und stellt automatisch eine Gefährdung des Kindeswohl in Frage. Fakt ist, für die Entwicklung eines Kindes ist es vermutlich immer noch am besten, wenn beide Elternteile um es herum sind. Aber das lässt sich nun mal nicht einrichten und dann sollte man das Beste aus der Situation machen und sich nicht dem Druck der Gesellschaft unterordnen.

Auch wenn Neuseeland das erste Land war, in dem Frauen wählen gehen durften, ist es jetzt an der Zeit für Einige einen Gang herunterzuschalten und mit unmöglichen Kommentaren und Vorwürfen aufzuhören.

Als Jacinda von einem Reporter gefragt wurde, wie sie ihre Regierungsaufgaben erledigen will, wenn sie gleichzeitig Morgenübelkeit hat, war ihre Antwort: „It’s what ladies do.“ Es ist nämlich an der Zeit auch Frauen eine Karriere zu ermöglichen, ganz egal, in welcher Lage sie sich befindet: Single, Verheiratet, Selbstständig, Angestellt, Mutter, Kinderlos oder eben auch Premierministerin.  Es ist auch an der Zeit, sein schwarz-weißes Weltbild abzulegen und sich nicht zwangsläufig zwischen „traditionell“ und „modern“ zu entscheiden zu müssen, sondern seinen ganz persönlichen Grauton und seine Entscheidungen auf die Lebenssituation anzupassen. Es ist Zeit für mehr Akzeptanz für Außergewöhnliches, das nicht außergewöhnlich sein sollte und mehr Gleichberechtigung für jedes Geschlecht in jedem Bereich. Es ist Zeit, dass sich Dinge ändern und wir moderner werden, wir Frauen uns durchsetzen und unseren eigenen Weg gehen. Und ich bin mir sicher, dass Jacinda weder ihren Job noch ihre Familie vernachlässigen wird und ihre eigenen Entscheidungen treffen kann und wird – zugunsten ihres Kindes UND Neuseelands. Es heißt doch immer Frauen seien multitaskingfähig. It’s what ladies do.

 

 

Quelle Titelbild: http://www.newshub.co.nz/home/politics/2017/06/poll-jacinda-ardern-s-popularity-plummets.html

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