Personal Travelguide: Raglan & Wild Coast Extreme Horse Adventure Trail Ride

Wir sind gerade aus Raglan wiedergekommen und ich glaube so schnell war ich noch nie mit meinem Reisebericht 😉 Raglan liegt an der rauen Westküste und wird als das Byron Bay Neuseeland gehandelt. Strände mit schwarzem, glitzerndem Sand, saftige grüne Hügel und meterhohe Wellen – ein wirklich paradiesischer Ort zum surfen. Oder zum Reiten, wie in meinem Fall 😉 Ich habe mir nämlich einen großen Wunsch erfüllt und habe die atemberaubende Natur Neuseelands auf dem Pferderücken erkundet. Im Nachhinein habe ich mich sogar noch mehr gefreut, dass es in Raglan stattgefunden hat, da die Natur hier sehr „typisch neuseeländisch“ ist, mit den rauen Küsten, dem schwarzen Strandsand, den dschungelartigen Bergen und die einsame Ruhe.

Aber erst einmal alles auf Anfang: Hanjo und ich sind Freitag Abend gegen 7 Uhr aufgebrochen, zwei Stunden später als geplant, da sich in meiner Gastfamilie alle falsch verstanden haben, jeder Pläne gemacht hat und am Ende das alles nicht ganz aufging. So musste ich einspringen und auf die Jungs aufpassen, bis Abi von der Arbeit zuhause war. Das war nicht weiter schlimm, denn nach Raglan sind es nur zwei Stunden Fahrt aus von Auckland, allerdings haben wir das ursprünglich alles anders geplant 🙂 Irgendwann im Dunkeln sind wir dann in Raglan angekommen – es war eigentlich erst neun Uhr, aber es fühlte sich an wie Mitternacht – mir war superschlecht durch die vielen Kurven, dass ich das navigieren vernachlässigt habe und wir am Ende noch mal eine halbe Stunde Fahrt ranhängen mussten, um zu unserem Campingplatz zu gelangen. Den haben wir übrigens nach 10km Gravel Road in engen Kurven (absoluter Albtraum!) und im Dunkeln auch erreicht. Das Office konnten wir nicht mehr ausfindig machen, daher haben wir beschlossen, einfach am nächsten Tag zu bezahlen. So ganz ging auch dieser Plan nicht auf, denn auf dem Campingplatz fand eine Hochzeit statt und die Braut hat den gesamten Platz gemietet und ist erstmal zu uns angelaufen gekommen, als Hanjo und ich um halb zehn über unser Abendbrot im Auto hergefallen sind und wie die Tiere ohne Teller oder Besteck gegessen haben 😀 Wir waren halt hungrig und es musste schnell gehen 🙂 Wir konnten sie dann überzeugen, die Nacht dort zu verbringen und am nächsten Morgen ganz früh abzuhauen ohne die Küche oder sonstiges zu nutzen und die Hochzeitsgesellschaft zu stören. Damit war sie auch einverstanden und wir konnten uns endlich schlafen legen. Am nächsten Morgen sind wir um 8 Uhr aufgestanden, da ich für um 10 Uhr meinen Ausritt gebucht habe (über http://www.bookme.co.nz) und wir festgestellt haben, dass wir kein Netz (geschweige denn Internet) auf dem Campingplatz hatten und somit den Reitstall irgendwie ohne Karte oder Navi finden mussten .. auch das noch 😀 Nachdem wir denn in beide Richtungen ein Stück gefahren sind.. erfolgslos.. sind wir zum Campingplatz zurückgefahren und haben ein riesiges Schild direkt gegenüber mit der Aufschrift „Wild Coast Extreme Horse Adventures“ gesehen.. Ich wusste ja, dass der Stall in der Nähe ist (aus diesem Grund haben wir uns ja auch für den Platz „Ruapuke Motor Camp“ entschieden), aber dass er dann so nah ist, damit haben wir nich gerechnet. Sonst wären wir mit Sicherheit nicht die ganze Zeit daran vorbeigefahren .. Mein Papa würde jetzt sagen „Wer gucken kann, ist klar im Vorteil!“

Der Stall hat mir total gut gefallen. Er befand sich im Familienbetrieb, dessen eigentlicher Verdienst im Züchten von Rindern und Milchkühen besteht, und sah sehr gepflegt aus. Die Pferde wurden auf der Weide gehalten und hatten riesige Flächen zum toben, fressen und einfach nur Pferd sein! Alle sahen wohl ernährt und sehr gepflegt aus, worauf ich immer sehr viel Acht gebe. Ich finde, selbst wenn man so eine Tour bereits gebucht hat, sollte immer das Wohl der Pferde an erster Stelle stehen und notfalls  lieber vor Ort noch absagen und das Unternehmen nicht noch mit seinem Geld unterstützen, wenn man sieht, dass es den Tieren dort nicht gut geht. Das war hier aber nicht der Fall! Mein Pferd hieß Chief und der Name passte wie die Faust aufs Auge. Sich irgendwo einreihen kam nicht in Frage, am liebsten ist er ganz vorne mitgelaufen und hat die Gruppe angeführt. Schnell war er auch und so ein richtiger kleiner Angeber und verfressen. Ist aber schwer sich zurückzuhalten, wenn das Gras so hochwächst, dass man sich noch nicht einmal bücken muss und man im Vorbeigehen schnell in etwas reinbeißen kann. Würde ich als Pferd bestimmt auch machen 🙂 Die Tour ging drei Stunden und war wirklich eine „Extreme Horse Adventure“ : steile Berge hoch und runter, durch Bäche, durchs dichte Gestrüpp auf den Mt. Karioi, um die wahnsinnige Aussicht auf das Meer zu genießen. Danach ging es runter an den Strand, wo wir mit dem Pferden erstmal ins Meer baden gehen konnten. Chief liebte das Meer und hat erstmal Blubberbasen mit seiner Nase im Wasser gemacht – so süß! – und die salzige Meerluft „inhaliert“ (Fachjargon: flehmen“) – sieht immer sehr witzig aus, wenn Pferde das machen (2. Video)!! Danach konnten alle fortgeschrittenen Reiter, die Lust dazu hatten, am Strand lang galoppieren und ich hatte einen Heidenspaß! Der schwarze Sand ist wesentlich fester als der weiße Sand und somit der perfekt Untergrund für Pferde.

Nach meinem Ritt ging es zurück nach Raglan, wo Hanjo und ich durch die vielen kleinen Geschäfte gebummelt sind. Als Surferhotspot waren demnach natürlich auf die Geschäfte ausgelegt. Überall gab es Neoprenanzüge, Surfbretter, Skateboards, Lederarmbänder, Muschelketten und und und zu kaufen. Gefühlt alle sind in Vans, Shorts, Tanktops und Rastalocken bzw. Man-Bun herumgelaufen oder sagen wir lieber tiefenentspannt geschlendert/“geskateboardet“ – hier wurde jedes Klischee erfüllt!! Aber genau diese Atmosphäre hat diesen Ort zu besonders gemacht. Wie bereits erwähnt wird Raglan gerne mit den „alten“ Byron Bay verglichen, bevor es so touristisch wurde. Raglan hat noch diesen Charakter eines „ursprünglichen“ Surferparadieses, ein „Geheimtipp“ unter den Sportlern. Ich muss sagen, ich habe mich in Raglan verliebt, nicht nur wegen des Ausrittes, und würde liebend gerne noch einmal hierher zurückkehren.

Allerdings sind wir gegen 4 Uhr schon zu unserem Campingplatz gefahren, da ich meine Beine nicht mehr bewegen konnte und im Stehen hätte einschlafen können 😀 Drei Stunden am Stück zu reiten, wenn man davor zwei Jahre lang nicht mehr auf einem Pferd saß, war in dieser Hinsicht nicht meine allerbeste Idee 🙂 Aber die Schmerzen waren es allemal wert!! Unsere zweite Nacht haben wir dieses Mal ohne eine Hochzeit zu crashen auf „Kev’s Place“ (für 10$/p.P.) in Raglan verbracht – mit der absoluten genialsten Aufsicht auf die Stadt und das Meer. Der Campingplatz ist sehr zu empfehlen, sehr einfach, aber mit eigener Quelle, mega Aussicht, kostenlosen Duschen, Toiletten und einem kleinen Spielplatz für Kinder. Kevin selber hat sich ein riesiges Boot auf die Wiese gestellt und das als Büro umgebaut – damit war der Typ uns gleich sympathisch!

Am nächsten Morgen haben wir ausgeschlafen und sind dann zum „Ngarunui Beach“ gefahren. In Neuseeland sollte man immer „zwischen den Flaggen“ schwimmen bzw. da wo die Wellen besonders hoch sind, denn in den vermeintlich ruhigeren Gebieten herrscht oft eine lebensbedrohliche Strömung. Die Blacksand-Beaches sind in der Regel auch etwas gefährlicher zum Schwimmen als die „normalen“ Strände mit weißem Sand. Hanjo ist tatsächlich schwimmen gegangen zwischen hunderten Surfern (es war wirklich sehr sehr voll!!), mir war das Meerwasser schon zu kalt. Daran merkt man schon, dass der Sommer langsam aber sicher vorbei ist und sich alles abkühlt. Bevor wir uns auf den Heimweg gemacht haben, gab es noch einen kleinen Abstecher ins „Bow St Depot“ im Zentrum von Raglan zum lecker Burger und Nachos essen – sehr zu empfehlen!

Damit ging unser vorerst letzter Wochenendtrip auf der Nordinsel zu Ende. In 12 Tagen (Schon??!! Ich kann es kaum glauben) kommen Papa und Tommi ans andere Ende der Welt und wir starten unseren Roadtrip von Auckland nach Wellington. Aber ansonsten heißt es für Hanjo und mich jetzt erst einmal Geld sparen, damit für uns im Juni auf unserer großen Südinsel-Rundreise so richtig austoben können 😉

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