Let’s talk about: Wildcampen

Der Nachthimmel wird von tausenden Sternen hell erleuchtet, eine frische Brise lässt das grüne Gras leise hin- und herschaukeln und in der Ferne hört man die Wellen des Meeres brechen. Klingt nach einem Paradies – ist es auch! Selbst als Nichtcamper genießt man das Campen in Neuseeland einfach, man kann gar nicht anders. Die weiten, unberührten Landstriche Neuseelands und die vielerorts spürbare Abgeschiedenheit sind wie geschaffen für alle, die Freiheit in jeder Form spüren wollen. Doch leider hat das unverantwortliche Verhalten einiger Urlauber in den letzten Jahren dazu geführt, dass die Kiwis ihre Regeln bezüglich des Wildcampens stark verschärft haben und Verstöße mit hohen Freiheitsstrafen ahnen. Ein paar Gedanken über die Verantwortung des Menschen gegenüber der Umwelt und inwiefern die neuen Regeln gerechtfertigt sind:

Also erst einmal finde ich es eine absolute Schande und mehr als peinlich, dass es überhaupt dazu kommen musste. Ich frage mich, was in den Menschen vorgeht, die einen Busch als Toilette umfunktionieren, ihre Abfälle in den Wald schmeißen, heißes Wasser auf bedrohte Pflanzen gießen, tagelang an einem Ort bleiben und alles kaputt trampeln und fahren und nicht hinter sich aufräumen. Dabei spreche ich nicht nur von Backpacker, es sind auch oftmals Einheimische, die genauso handeln. Und es macht mich wütend und traurig zugleich. In Neuseeland ist mir noch einmal mehr bewusst geworden, wie wunderschön und einzigartig diese Welt ist und dass wir noch viel bewusster und nicht so verschwenderisch umgehen sollten. Das gilt nicht nur in Neuseeland, sondern überall auf dieser Welt. Wieso verpacken wir alles in Plastik ? Wieso wird für fünf Meter Weg das Auto genommen? Wieso entsorgen wir unseren Müll nicht angemessen? Wieso schmeißen wir Lebensmittel weg und verschwenden so viel Wasser? Wieso hinterlassen wir so viel mehr als nur Fußspuren? Was ich aber noch erschreckender finde: Wieso man sich in einem Land als Gast nicht als solcher benehmen kann. Respektvoll. Es ist ein unfassbares Geschenk, Länder wie Neuseeland zu bereisen und die allertollsten und einzigartigsten Naturspektakel zu entdecken. Stattdessen zerstören wir es, führen uns auf wie Schweine, hinterlassen Chaos und machen alles kaputt, für die, die nach uns kommen. Keine Frage, das ist inakzeptabel!

Allerdings darf man nicht die Schuld nur auf die Backpacker schieben. Wer selber Müll in den Wald wirft und sein Kaugummi einfach fallen lässt, den Müll nicht trennt, jedes einzelne Produkt in eine extra Plastiktüte beim Einkaufen packt (ohne Witz jetzt) und über öffentliche Verkehrsmittel, Fahrräder und zu Fuß gehen nicht einmal nachdenkt, der kann nicht mit dem ausgestreckten Finger auf die Backpacker zeigen. Bescheuerte Doppelmoral. Ohne „uns“ Backpacker und Reisenden würde es Neuseeland wirtschaftlich gar nicht so gut gehen. Wir bringen Geld mit, kurbeln durch unsere Arbeit die Wirtschaft an und geben in den meisten Fällen das Geld auch wieder im selben Land aus. Ohne „uns“ wäre die Tourismusbranche ein Witz. Wir sind ein ganz großer Einnahme -und Wirtschaftsfaktor Neuseelands. Und natürlich gibt es schwarze Schafe, aber alle Backpacker und Reisende über einen Kamm zu scheren ist genauso emotional unreif, wie rücksichtslos und unnachsichtig zu verwüsten.

Es ist viel mehr an der Zeit, dass Neuseeland Gegebenheiten optimiert oder erst einmal erschafft. Mülleimer im öffentlichen Raum, saubere Toiletten, ausgebaute Straßen, zumutbare öffentliche Verkehrsmittel und mehr kostenlose bzw. günstige Campingplätze mit den nötigen Einrichtungen. Dieses Problem existiert und anstatt mit dem Finger zu zeigen, zu schimpfen und alles zu verbieten – sich damit aber eigentlich selber schaden – ist es vielmehr an der Zeit das Problem an der Wurzel zu packen und die Infrastruktur für den Tourismus zu verbessern. Denn Touristen wird es immer geben, dafür ist Neuseeland zu schön und einzigartig und die Branche ist existentiell für das Land. Aber es bringt nichts die Augen zu verschließen und zu pöbeln, denn auch schwarze Schafe wird es immer geben.

Dennoch sollten wir uns alle einmal an die Nase fassen und überlegen, wie groß unser ökologischer Fußabdruck wirklich ist und ob wir nicht an unserem Verhalten etwas verändern können und hinterfragen, was man von Gästen und Urlaubern in seinem eigenen Land erwartet und sich dreifach so vorbildlich im Ausland verhalten. Denn Wildcampen ist Geschichte, aber vielleicht kann man das Campen an sich in Neuseeland vor dem Aussterben retten!

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